Interview mit einer Elfe

Sie singt seit ich denken kann, oder womöglich (und eher) bereits vorher. Wir kennen uns seit einigen Jahrzehnten… Sie hat mein Interesse für klassische Musik geweckt und hat es tatsächlich geschafft, mich für etliche Opern, Komponisten und Charaktere zu begeistern. Darüber hinaus ist sie meine Singprofessorin und strengste Kritikerin in meinem Gesinge, Geschreibe und Gephotografiere! Aber auch Fan der ersten Stunde. Darüber hinaus ist sie meine Freundin und eine Art kleine Schwester, die man einfach gerne haben und beschützen muss.

Die „Elfe“ ist Amelia Scicolone. Dieser Kosename wurde ihr von ihrem aktuellen Regisseur verpasst, denn genau so wirkt sie: eine zierliche Lichtgestalt, mit Zauberkraft gesegnet. Sie befindet sich momentan in Österreich und wird in ein paar Wochen die Rolle des „Blondchen“ in Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ zum Besten geben. Ein Singspiel in drei Aufzügen, dessen dramatischen Szenen von Wolfgang Amadeus und seinem Librettisten auch als Sprechdialog geschrieben wurden.

Ich durfte an den Proben dabei sein und durfte mal live miterleben wie die Inszenierung eines solchen Stücks „auf die Welt kommt“. Es war echt eindrücklich, wie sich die Hauptdarsteller jedes noch so kleine, knifflige, altdeutsche Wort merken konnten und sich nie verhaspelten und beim grossartigen Quartett und voller Inbrunst: „NIIIIIIIIICHTS FACHE DAS FEUER DER EIFERSUCHT AN!“ verkünden. Ja, denn Herr Mozart beschreibt in diesem Stück die Versuchung von Untreue und Verrat (irgendwie immer noch aktuell, jaja…)

Als Laie kann ich nur sagen: es ist sehr anspielungsreich, klug ersonnen und unterhaltend. Mir war sofort klar, dass absolute Profis am Werk waren und die zu Herzen gehende Musik machte den Rest: Ich war hin und weg und es machte echt Lust auf mehr. Mehr Wissen? Wie? Wo? Woher? Seit wann? Also habe ich mir ein paar Fragen ausgedacht und Amelia damit belästigt… Höret, höret:

  • Du wolltest nicht von klein auf schon Opernsängerin werden… Wann hast du verstanden, dass dies dein Weg sein wird? Und: Hast du je daran gezweifelt, dass du das Schaffen würdest?

Nein, definitiv nicht. Das Singen war ein Hobby seit ich klein war, jedoch das Hobby zum Beruf machen ist was ganz anders. Erst nach ein paar Jahren – während des Studiums – als sich meine Stimme immer mehr entwickelte, dachte ich mir: “Ich probier’s dann mal! Kannst ja später dann immer noch als Pädagogin tätig sein, falls es dann doch nicht klappen sollte.” – Es ist kein einfacher Weg. Es geht ja nicht nur um eine stimmliche Prädisposition, sondern alles andere was dieser Beruf mit sich bringt: Eigenständig wichtige Entscheidungen treffen wie zum Beispiel: welches Engagement nehme ich an? Will ich Oper singen und/oder auch Konzerte geben? Und so weiter… Dann gibt es immer wieder Momente wo man nicht arbeitet bzw. auf die nächsten Projekte Arbeiten muss. Es ist kein Büro-Job, wo man von 8 bis 17 Uhr arbeiten geht, man ist auf die eigene Disziplin angewiesen. Es ist ähnlich wie der Spitzensportler, der sich zu Beginn auf Details achten muss, wie zum Beispiel, wie er den Fuss am optimalsten positioniert oder wie er das am besten mit der Atmung “organisiert”. Man muss hart daran arbeiten, damit er dann beim Wettkampf sämtliche Informationen automatisch abfragen kann und sich aufs “Loslegen!” konzentrieren kann. Hinzu kommt noch das Alleinsein; mehrere Monate weg von Zuhause und von seinen Liebsten (über)leben zu müssen, um sich der Arbeit zuliebe, sich selbstständig wahrzunehmen und grosse Sensibilität für den eigenen Körper zu entwickeln. Als selbstständiger Musiker zu arbeiten bedeutet auch, über Komponisten zu recherchieren, Kontakte zu knüpfen und pflegen und, heutzutage, auch online “fit” zu sein, etwa mit einer eigenen Homepage und den Medien. Und nein, ich habe nie daran gezweifelt, weil ich überzeugt bin, dass wenn man im Leben was erreichen will, dann auch alles möglich ist.

  • Sprechen wir über Vorbilder; hast du eine „Vorbildin“ aus der Opernwelt?

Ich hatte nie Vorbilder. Auch als ich früher in meiner Jugend “hobbymässig” Pop sang, habe ich nie einen Poster aufgehängt oder Ähnliches. Ich hatte aber viel Bewunderung für gewisse Sänger und Sängerinnen. So auch Heute. Ich mag besonders solche Sänger, die sehr Technik-gewandt sind, Selbstsicherheit ausstrahlen und natürlich über mehrere Jahre sich als Sänger etablieren konnten. Es gibt Einige, die mich inspirieren. Bei denen versuche ich das Eine oder Andere aufzunehmen und dann was Eigenes daraus zu machen.

  • Bevorzugst du italienische Komponisten? Oder dann lieber Mozart und Strauss?

Ich mag Abwechslung sehr. Immer nur das Eine ist langweilig. Ich freue mich immer wieder neue, weniger bekannte oder verschollene Komponisten oder Musikstücke zu entdecken.

  • Angenommen deine Stimme wäre echt scheisse (ich sagte „angenommen“); welchen anderen Berufsweg hättest du eingeschlagen?

Ich habe echt keine Ahnung! Nach der Matura hatte ich mich noch bei den Fakultäten “Italienische Literatur” und “Psychologie” umgeschaut. Aber was dann daraus hätte werden können… Das weiss ich echt nicht.

  • Welches war dein „best moment on stage“? Auf welche Rolle warst du am meisten stolz?

Ich kann mich schwer für einen Bestimmten entscheiden, denn ich hatte einige entscheidende Momente. Ich bin jedoch immer sehr dankbar, wenn das Publikum mit Applaus oder im Nachhinein mit Komplimenten zu mir kommt. Das ist der eigentliche Lohn. Das bereichert meine Seele sehr und mach mit dann hungrig nach mehr und mehr. Die “KÖNIGIN DER NACHT”, die ich als eigentliches Rollendebut im 2013 mit den Berliner Philharmoniker sang, war schon ein Highlight. Im Konzert war es das erste Mal, als ich im KKL in Luzern auf der Bühne Stand. Dieser Saal ist der nackte Wahnsinn! Gross, imposant und die Zuschauer, welche im obersten Balkon sitzen, sind so weit weg von der Bühne, dass man sie nur noch als kleine Punkte wahrnimmt.

  • Welche ist deine Traumrolle und wieso?

Im Moment ist meine Traumrolle, diejenige der “Zerbinetta” aus Richards Strauss’ “ARIADNE AUF NAXOS”. Diese Rolle ist perfekt um zu zeigen was ich wirklich alles so drauf habe: meine Technik, meine Musikalität, mein Schauspieltalent. Und das alles auf schwerstem Niveau. Nicht umsonst ist diese Rolle eine der diffizilsten in meinem Fach.

  • Mit welchem Sänger oder mit welcher Sängerin (auch aus der Vergangenheit) hättest du gerne zusammengearbeitet?

Es gibt Einige. Aber so spontan: Pavarotti. Mit ihm ein “ELISIR D’AMORE“ von Donizetti zu singen wäre echt die Apotheose. Auch einem Sopran-Duett mit Joan Sutherland würde ich nicht Nein sagen! Ach ja… *seufz*

  • Was fehlt in deinem Leben?

Nichts zum Glück! Vielleicht dann eben bald mal eine “Zerbinetta” singen zu dürfen irgendwo?!

  • Was sollte man, deiner Meinung man tun, um mehr junge Menschen in die Oper zu locken?

Leider gibt es viele Vorurteile aus der Seite der Jugend was die Oper anbelangt. Manches ist etwas verstaubt und nicht aktuell. Manche Inszenierungen hingegen schon zu aktuell und modernisiert. Jedoch die Tatsache, dass die Oper oder eben klassische Musik allgemein, nicht zur sogenannten “Unterhaltungsmusik” angehört, lässt es nur für diejenige zu, die neugierig sind oder dann Neuem gegenüber offen sind. Wie man dieses Interesse weckt? Ich kann mir vorstellen Heutzutage eher über Social Media… Keine Ahnung.

  • Sex, drugs oder rock’n’roll?

Ersteres Ja, ist gesund und hält den Körper fit. Drugs natürlich nie! Lässt die Finger davon! Und Rock’n’Roll: Definitiv Ja! Macht gute Laune und würde sich zum Beispiel bestens in eine Opernaufführung in der Rolle der Zerbinetta inszenieren.

Also, wie gesagt: Ab nach Klagenfurt! Start: 10.11.2016
Weitere Infos kriegt ihr unter: http://www.stadttheater-klagenfurt.at/de/produktionen/die-entfuehrung-aus-dem-serail/

Wer nicht flott und spontan nach Österreich reisen kann, empfehle ich Amelia’s Homepage oder Youtube-Kanal zu besuchen. Es L.O.H.N.T. sich: http://www.ameliascicolone.com oder https://www.youtube.com/user/AmeScic.

Advertisements

2 thoughts on “Interview mit einer Elfe

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s