INDIEN: Feuerwerk an Eindrücken und Erlebnissen

Zugegeben: Gross vorbereitet habe ich mich vor meiner Reise nach Indien nicht… Somit wusste ich nicht wirklich, was mich erwarten würde. Dennoch war ich ziemlich unbesorgt, weil ich vor Ort einen Begleiter hatte, der sich um alles kümmern würde. Ja, und da sag ich nur: GOTT SEI DANK!

NEU DELHI.
Die Hauptstadt des Chaos.

Nun: vor knapp einem Monat landete ich in Delhi. Als ich vom Flughafen-Gebäude rauskam, erschlug mich diese Affenhitze. Dampfbadatmosphäre. Zum Glück wartete ein Auto bereits auf mich. Die Fahrt vom Flughafen zum Hotel hinterliess den ersten, intensiven Eindruck: Der Taxifahrer (der einen Aufpreis verlangte um die Klimaanlage anzumachen, den wir aber selbstverständlich nicht bezahlt haben) fuhr ziemlich zügig durch die Strassen der Hauptstadt Indiens. Dieser gewöhnungsbedürftige Verkehr. Ein Wort: Lebensgefährlich. Und dennoch… In den ganzen zwei Wochen habe ich keinen Unfall gesehen. Und obwohl Linksverkehr herrscht, hält man sich einfach nicht daran! Man überholt so, wie es am einfachsten geht, und man versucht dabei die Rikschas und Tucktucks nicht über den Haufen zu fahren. Diese haben sowieso immer das Gefühl schneller zu sein als der übrige Verkehr. Formel 1 Deluxe! Und selbstverständlich musst du besonders auf die gechillten (heiligen) Kühe Acht geben, die gemütlich mitten auf der Fahrbahn flanieren und die sich ebenfalls einen Dreck um die Verkehrsregeln scheren. Und es kommt noch schlimmer: Dieses wilde Gewirr wird von einem ständigen Hupen untermalt. Die hupen sich die Ohren voll vom Morgen bis am Abend… Und auch in der Nacht. Man wird sogar aufgefordert: „PLEASE HORN!“ steht hinter jedem Fahrzeug. Gesagt – getan!

Obwohl es brütend heiss war, sah ich überall auf der Strasse in Decken eingehüllten Menschen, welche sich am Strassenrand ihr Nachtlager aufgestellt haben. Ja, die haben sich einfach irgendwo zum Schlafen gelegt. Da unter dem Himmel und im Dreck. Dieser traurige Eindruck begleitet mich bis heute. Indien: dieses grosse Land, voller Kontraste: Arm und Reich, schmutzig und blitzeblank, schäbig und prunkvoll, dreist und zurückhaltend… Eine nie endende Liste.

Ich verbrachte die ersten paar Tage in Delhi. Da haben wir die Hauptattraktionen besucht: Red Fort (die Festungsanlage aus der Epoche des Mogulreiches), Lotus Temple (der jüngste Bahai-Tempel; schöööööön war es da), India Gate (der indische “Arc de Triumph”), Chandni Chowk (ab in den Chaos-Markt) und Rajiv Chowk mit Connaught Place und einer Mall, wo der starke Kontrast des Indiens nochmals deutlich wurde… Diese Ausflüge waren nie ein einfaches Unterfangen: Die siedende Hitze, der konfuse Verkehr, die Leute, die dich entweder anstarrten, etwas verkaufen bzw. ungefragt einen Hinweis geben wollten und dieser fürchterliche Aroma von Müll und Patchouli, der in der Luft lag, verwandelten unsere “Spritztouren” in ein regelrechtes Wagnis.

„Die spinnen, die Inder“, würde Obelix sagen. Ja… Schon ein seltsames Völkchen. Wieso?

  • Gut einmal am Tag wurde ich angesprochen einen Selfie mit Ihnen zu machen; „du bist merkwürdig“, hiess es frech. He! Wieso weisst du das? Hehehe… Nein, ich bin nicht merkwürdig. Ich bin anders. Meine helle Haut, kann es selbstverständlich unmöglich mit deinem Karamellfarbigen Teint aufnehmen, und meine Haare sind kürzer als du es gewohnt bist.
  • Die schaffen es doch tatsächlich das Gepäck in das Tucktuck aufzuladen wo schon andere 6 Leute sitzen. Kein Problem! *kopfgewackel*
  • Und wieso bezahle ich als Ausländer das x-fache mehr an Eintrittsgebühren wenn ich ins Museum oder in den Zoo will?
  • Der Taxifahrer hatte nie ein gutes Wort für mein Land übrig: „Italy? Oooohhh, Mafia!“ oder „You have bad Economy there!“, naja gut… Ihr schwimmt ja auch nicht in das Rupien-Meer! Egal. Die meisten meinten sowieso: „oooh, nice country!“ Da kannst du auch sagen du kommst aus Entenhausen, die werden das dennoch beteuern. Ausnahme machen da: Pakistan, Bangladesch, Nepal und China.
  • Bitte, nie, niiiiieeeemals darauf reagieren, wenn du vor einer Sehenswürdigkeit die folgenden Wörter hörst: „Ich bin der Fremdenführer“, du willst ihn zwar nicht, aber er ist trotzdem bereit dir für einen „Freundschaftspreis“ die Geschichte des indischen Maharadschas zu erklären! Ja, das ist so ein Ding mit den „Freundschaftspreisen“… „Der farbenfrohe Sari kostet 1200 Rupien, wenn du aber 5 davon nimmst, dann kriegst du einen tollen Sonderpreis von, sagen wir mal 8000 Rupien.“

Delhi ist da keine Ausnahme; auch in den Rest Indiens sind die Leute „ein bitzeli“, na, wie war das Wort nochmals? Aufdringlich!

JAIPUR.
Die gibts in Pink.

Unsere Reise brachte uns im Herzen des Rajasthan, das Land der Könige. Erster Halt: Jaipur, die pinke Stadt. Sie weist zahlreiche rosa farbige historische Gebäude auf, die allerdings im feuchten Monsunklima eher dunkelorange wirken. Einer der Höhepunkte soll einen Elefantenritt bis zum Haupteingang des Amer Forts sein. Diese wunderbaren Tiere sind mit traditionell bemalten Mustern verziert und transportieren täglich viele Touristen. Grundsätzlich wollte ich mir diese Erfahrung nicht entgehen lassen. Aber ich durfte einen Blick hinter die Kulissen werfen. Man kann  sich nämlich selbst von den Haltungsbedingungen überzeugen wenn man will. Und das tat ich auch. Die Elefantenhalter mögen wohl recht haben, und die Elefanten werden nicht schlecht behandelt, aber die Ställe, die ich in Elephant City gesehen habe, waren alles andere als „nett“. Darum habe ich darauf verzichtet. Ausserdem wollte man uns, wie könnte es auch anders sein, preislich total verarschen. Nicht mit mir…

UDAIPUR.
Aufatmen und geniessen.

Nach mehr als 8 Stunden Furcht und Bedenken, bei der Busfahrt die Hinterachse zu verlieren und mehr oder weniger inoffiziellen Stopps auf der Strecke erreichen wir hundemüde „The Lake City“. Nein, diejenige in Mittelerde, sondern in Udaipur. Dort durfte ich das wunderschöne Jagdasch Temple besuchen und am Nachmittag fuhren wir mit dem Boot hinüber zum Lake Palace Resort. Anmutig! Von hier bietet sich mir einen fantastischen Blick auf den Stadtpalast und die Altstadt. In der romantischsten Stadt des Rajasthans (wo ich regelrecht wieder aufatmen konnte, da die Stadt, die von Seen umgeben ist, sehr luftig war) hatten wir das Glück im tollsten Hotel Indiens zu übernachten. Im Gegensatz zu Jaipur waren die Leute in dieser Anlage sehr freundlich, hilfsbereit, schüchtern und grosszügig! Ich mache ansonsten nie Werbung auf meinen Blog, aber… https://www.tripadvisor.ch/Hotel_Review-g297672-d10154144-Reviews-Zade_Mount_View-Udaipur_Rajasthan.html. Also falls ihr zufälligerweise in dieser Gegend seid: Nichts wie hin. Es ist zwar ein bisschen in der Pampa, aber: MAN HÖRT DAS HUPEN NICHT! Quality time!

AGRA.
Ein Muss.

Auf unser Weg zurück nach Delhi durfte ein Besuch des Taj Mahals natürlich nicht fehlen. Agra ist schrecklich und alles ist (natürlich) total Durcheinander! Aber das Taj Mahal musste einfach sein. Der Eintrittspreis ist für indische Verhältnisse recht teuer (1000 Rupien, knapp CHF 15.00). Allerdings handelt sich um eines der Weltwunder uuuuuuuuuuund… Im Preis inklusive gab es Überziehschuhe und eine Flasche Wasser! 🙂 Und Leute: Was mich hinter der Sicherheitsschranke erwartete, kann ich unmöglich in Worte fassen! Das aus Elfenbein und Marmor gebaute Mausoleum war einfach nur PERFEKT. Eines der schönsten Gebäude, die ich je gesehen habe. Schneeweiss und in arabischen Stil erstrahlte es vor mir. Ich kann mir gar nicht vorstellen wie doll verliebt der Grossmogul im Jahre 1632 war, dass er nach dem Ableben seines Lieblingsfrau Mumtaz Mahal, der „Exzellenz des Palasts“ dieses Kunstwerk errichten liess. Noch immer versagen die Worte…

Zurück in Delhi, hatte ich noch genügend Zeit ein paar tolle Souvenirs zu „Freundschaftspreise“ zu ergattern und schon war der Trip in den Osten vorbei. Es war schwer die Reise meinen Liebsten zu beschreiben. Man hat so viel erlebt und gesehen: wunderbares, geheimnisvolles, interessantes, atemberaubend, kontrastiv, trauriges, unverständliches, aussergewöhnliches und verstörendes; Indien hat mich einfach “erschlagen”!

Namaste.

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